Zum Geleit
( Ein Vorwort des Verfassers zu dieser Chronik )

Unsere Zeit ist so schnellläufig und hektisch geworden, dass kaum noch jemand Zeit hat, den Blick nach rückwärts, in die Vergangenheit zu lenken. Das Wort “Tradition” erweckt, insbesondere bei der Jugend, oft den Gedanken an etwas längst Überholtes, das in der heutigen Zeit und Welt kein Platz mehr hat. Das Gewesene wird viel zu Schnell von Nebelschwaden überzogen und läßt die Bilder vergangener Zeiten immer undeutlicher werden. Wir Älteren müssen aber zugeben, dass viele schöne Stunden in unserem Leben nicht selten dem Zeichen und dem Einfluß alter Traditionen standen.

Ende der 60er bis Anfang der 70er Jahre kam der Gedanke auf, über unsern Verein eine Chronik zu verfassen. Von den Gründern unseres Vereins lebte damals keiner mehr.

Schriftliche Unterlagen gab es aus der Zeit vor 1950 so gut wie keine, die Wirren des ersten und zweiten Weltkrieges hatten hier große Lücken geschlagen. Do ch es gab noch einige ältere Mitglieder im Schützenverein, die sich auf die früheren Zeiten besinnen konnten. Sie haben dazu beigetragen, dass diese Chronik entstehen konnte und weitergeführt wurde. Mein Dank gilt heute den inzwischen verstorbenen Mitgliedern Fritz Finke sen. Herman und Heinrich Imelmann, Fritz Michler Sen., sowie Otto Eike.

Im Jahre 1992 feierte unser Verein das 100jährige Vereinsjubiläum und die 90jährige Fahnenweihe. Dies dürfte Grund genug sein, die verflossenen Jahre mit all ihren Freuden und Wirren in besinnlicher Runde noch einmal an uns vorüberziehen zu lassen. Diese Chronik soll die Vergangenheit, in der gute Kameradschaft und Freundschaft gepflegt worden sind, lebendig erhalten. Für unsere Jugend soll die Chronik eine Mahnung sein, den Verein stets im Geiste einer guten Kameradschaft weiterzuführen, die Verbundenheit mit den Heitlingern und den befreundeten Vereinen weiterzupflegen und allen Wiederwertigkeiten und Stürmen zu trotzen, das Ansehen unseres Vereins in Ehren zu halten und seinen Namen durch hervorragende schießsportliche Leistungen über die Grenzen unseres Ortes hinauszutragen.

Aus der Geschichte des Schützenvereins

Das Schützenwesen, wenn auch oft anders als heute, kann auf einer mehr als 800jährige Tradition zurückblicken. Es begann mit Zusammenschlüssen von Männern zum Schutz von Haus und Hof gegen übergriffe von außen. Die Männer übten sich im Umgang mit der Waffe (Armbrust bis hin zur Feuerwaffe). In Ortschaften schlossen sie sich zu Gemeinschaften und Verbindungen zusammen. Die Geschichte weiß schon zu sehr früher Zeit von solchen Vereinigungen zu berichten, z.B. aus Goslar 1130, Hornburg 1437, Hannover (Montags-Schützengesellschaft von 1611), Harzburg 1662. Im Laufe der Zeit organisierten sich diese Verbindungen immer mehr. Sie gaben sich Ordnungen und Regeln, aus denen später “Satzungen” wurden. Die Schützenvereinigungen erhielten vielerorts besondere Privilegien und wurden von den Obrigkeiten über Jahrhunderte hinweg gefördert, bis hinein in unsere Zeit.

Im Mittelalter hatten die Vereine nur noch gesellschaftlichen Wert. Nach 1845 setzte sich dann durch politische und soziale Reformen ein neues Bewusstsein durch.

Es entstand nach und nach gestraffte Organisationen. 1861 wurde dann auf Initiative des Herzogs von Coburg der Deutsche Schützenbund (DSB) gegründet. Sein erster Präsident war der Hofrat Sterzing. Es wurde eine einheitliche Sportordnung eingeführt und ein regelmäßig zu veranstaltendes Bundesschützenfest verabreden (alle 3 Jahre).

Das erste Bundesschützenfest fand 1867 in Frankfurt / Mein statt. Es traten allerdings im Laufe der Zeit Terminverschiebungen ein, die auf die politischen Ereignisse in Deutschland zurückzuführen waren (3 Kriege, Machtwechsel). Das 20. Bundesschützenfest fand 1934 in Leibzig, das 21. 1955 in Hannover, das 22. 1961 in München und das 23. 1965 wider in Hannover statt. Das Schießen ist seit der ersten Olympiade 1896 in Athen sportliche Disziplin geworden.

Bis zum 1. Weltkrieg stand das Großkaliberschießen auf 175 und 300 m-Bahnen im Vordergrund. Dieses Schießart musste aber nach 1918 eingeschränkt werden. Es wurde das Kleinkalibergewehr (KK) entwickelt. Mit dieser Waffe wurde überwiegend auf 50 m-Bahnen geschossen. Dieses Schießen verbilligten den Schießsport (Waffen und Munition) und ließ den Schießsport auf eine breitere Ebene kommen. Von 1920 bis 1933 bildeten sich viele neue Schützenvereine auf Grund von privaten Initiativen.

Im Jahre 1933 wurde fast alle Schützenvereine aufgelöst und im NS-Reichssportbund für Leibesübungen unter staatliche Regie gestellt. Zweck dieser Maßnahme war eine vormilitärische Erziehung, vornehmlich für die Jugend. Die alte Traditionen wurden nur noch zum Schein aufrechterhalten und geduldet. So durften auch die alten Fahnen und Banner ohne Umarbeitung weiterhin von den Vereinen geführt werden.

Nach den Zusammenbruch des Deutschen Reiches in Jahre 1945 wurden alle Vereine aufgelöst und der Schießsport vorerst verboten. Die vorhandenen Waffen usw. mussten abgegeben werden. Nach und nach versuchten dann aber doch beherzte Männer den Kontakt zu ihren früheren Vereinsmitgliedern wieder aufzunehmen und erneut einen Verein zu bilden. Das Schießen begann zuerst wieder mit der Armbrust, weil Feuerwaffen durch die Siegermächte verboten worden waren. Allmählich versuchte man danach, mit leichten Gewehren von Schaustellern, wieder auf Feuerwaffen überzugehen, nachdem seitens der Besatzungsmächte das Verbot etwas gelockert worden war. In den Jahren 1948 bis 1951 gelang es dem Schützenbruder Hermann Wüstenhoff von der Schützengesellschaft von 1611 in Hannover, in Zusammenarbeit mit Karl Lorenz u. a., in Niedersachsen das Schützenwesen wieder aufzubauen und einen Landesschützenverband zu gründen, dessen Präsident er dann auch für viele Jahre wurde. Gleichzeitig wurde aber auch versucht auf Bundesebene den Schießsport wieder aufzubauen. Am 18 November 1951 konnte in der Kölner Messehalle der Deutsche Schützenbund feierlich proklamiert werden. Sein erster Präsident nach dem Kriege , E. Zimmermann, konnte auch den internationalen Kontakt und Anschluss an die UIT (Internationale Schützenunion) herstellen.

Den neuen Schützenvereinen fehlten aber zu dieser Zeit Schießstände. Der Schießsport sollte aber schnell wieder aufgebaut werden, so kam es, dass man auf das Luftgewehr umstieg und die Schießveranstaltungen in Säle und Sporthallen verlagerte. Das Luftgewehr wurde damit die Sportwaffe Nr. 1.

Der Wettkampf im Schießen durfte auf einer schon sehe alten Tradition. Einer der ältesten, heute noch gepflegten Wettkämpfe, ist das Königsschießen. Während früher direkt auf eine Holzscheibe geschossen wurde, die auch bemalt und bei der die Schusslöcher mit Holzpflöcken verstopft wurden, wird heute auf eine früher nicht bekannten Ringscheibe geschossen. Die Auswertung ist die den Vereinen verschieden (Ring- und Teilerwertung). Die alte Königsscheibe bleibt aber Tradition, nur dass sie heute unversehrt dem Schützenkönig ans Haus genagelt eire. Die Zeremonie ist meistens auch traditionsgebunden beibehalten.

Die Mitgliederzahl im Niedersächsischen Landesschützenverband - heute Niedersächsischer Sportschützenverband - wuchs von 1955 mit 40.000 Mitglieder bis März 1971 auf 123.896 und 30 Juni 1991 auf 196.802 Mitglieder an. Im Deutschen Schützenbund waren bis 1971 rund 650.000 und bis zum 31 Dezember 1989 genau 1.354.126 Mitglieder vereinigt. Diese Zahlen beweisen, dass der Schießsport und die damit verbundene Kameradschaft auch in heutiger Zeit noch beliebt ist und weiter gepflegt werden sollte.

alle
damen

Unsere Vereinsgeschichte

Die Vorgeschichte

Das Schützenwesen bestand in Heitlingen schon lange vor Gründung eines Schützenvereins in der heutigen Form. Wann erstmals in Heitlingen geschossen und ein Schützenfest gefeiert wurde, läßt sich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen. Die mündliche Überlieferungen der ältesten Einwohner bekunden, dass sich schon im 19. Jahrhundert (wahrscheinlich um 1875) die jungen Leute des Dorfes alljährlich im Frühjahr in der Gastwirtschaft trafen, um das Schützenfest auszumachen. Nachdem sie sich über den Festsonntag einig waren, wählten sie aus ihrer Mitte die “Schäffer” oder “Schaffer”, die “Schäfferinnen” oder “Schafferinnen”, den Hauptmann, der in Frack und Zylinder erscheinen mussten sowie die Scheidenwinker. Das Wort “Schäffer” oder “Schaffer” stammt aus dem süddeutschen Wortschatz und heißt soviel wie Aufseher. Die Schäffer hatten die Aufgabe, das Schützenfest vorzubereiten, das heißt: Sie mussten ein Zelt beschaffen, für die Musik sorgen, den Wirt bestellen usw., kurz gesagt, sie waren allein für das Gelingen des Festes verantwortlich.
Mit dem Festteil alleine war es aber nicht getan. Zu einem Schützenfest gehörte auch ein Schießen. Nun wohnte im benachbarten Osterwald ein Mann, der ein Zelt und eine Scheibenbüchse besaß und es auch verstand, die Munition selber zu machen. Dieser Mann zog zur Zeit der Schützenfeste über die Dörfer und sorgte dafür, dass die männliche Bevölkerung schießen konnte und ein Festzelt zur Verfügung stand. Es wurde erst einige Male geübt, bevor das große Hauptschießen auf die Schützenscheibe am Festsonntag vormittags begann. Das Schießen in Heitlingen fand zu damaligen Zeit in einer Sandkuhle statt. Die Schützenscheibe, auch später Königsscheibe genannt, bestand aus einer Holzscheibe mit 12 Ringen. Die auf dieser Scheibe getroffenen Schusslöcher wurden, nachdem die Scheibenwinker das Ergebnis angewunken hatten, mit einem Holzpflock verschlossen. Wurde die “12” geschossen, wurde ein Hut vor die Scheibe gehalten, was für die Teilnehmer am Schießen eine kulinarische Zulage bedeutete, denn während des Schießens gab es auch Bier und Schnaps. Erst wenn das Schießen beendet war, konnte das Schützenfest beginnen.
Das Schützenfest wurde jeweils von Sonntag nachmittags bis zum Montagabend gefeiert. Am Sonntag nach dem Mittagtisch gegen 3:00 Uhr holten die Schäffer die Scheibenwinker, die Schäfferinnen den Hauptmann und die beschossene Scheibe zum Festzelt ab. danach begann der Festumzug durch das Dorf. Beim Gemeindevorsteher wurde Halt gemacht. Der Hauptmann zog seinen Zylinder und begrüßte den Gemeindevorsteher, seine Frau und Kinder sowie die Hausgenossen mit kräftigen “VIVAT”. dieser Gruß galt ebenfalls den Schäffern, Schäfferinnen sowie den tüchtigen Schützen und Jägern. Hiernach ging es zurück zum Festzelt, wo nach dem Kommando “stillgestanden” die “Launigen Kriegsartikel” verlesen und alle hier erschienen Teilnehmer und Zuschauer durch den Hauptmann begrüßt wurden. Dieser Teil des Festes wurde dann mit einem schallenden dreifachen “Hoch” beendet. Nachdem die Umzugsteilnehmer “weggetreten” Waren, bekamen die Schaffer und Schafferinnen einen Ehrentanz bevor das Tanzvergnügen für alle Festteilnehmer freigegeben wurde. Danach mussten die Schaffer das Tanzgeld kassieren, um ihre Auslagen wieder hereinzugekommen.
Der 2. Tag (Montag) begann gegen 10:00 Uhr wieder mit einem Umzug vom Festzelt aus. Es wurde zuerst die Schützenscheibe beim Schützenkönig angenagelt, der hierfür ein Frühstück sowie Bier und Schnaps für alle Teilnehmer zu spendieren hatte. Danach zogen die Festteilnehmer auf die einzelnen Höfe des Dorfes, wo der Hauptmann den Hofherren eine ähnliche Begrüßung zuteil werden ließ, wie am Vortage dem Gemeindevorsteher. Der Hofherr bedankte sich für diese Ehre mit Schnaps. Die Schäffer kassierten hierbei nicht selten besondere Spenden für die Festkasse. Der Umzug dauerte meistens bis gegen 3:00 Uhr nachmittags. Nach der Rückkehr zum Festzelt gab es für die Kinder einen etwa zweistündigen Kindertanz.
Auf diesen Schützenfesten gab es um die Jahrhundertwende regelmäßige Schlägereien zwischen den Heitlingern und Osterwalder “Koppelknechten” (früher in der Weidewirtschaft Tätig), die sich mal so richtig austoben wollten und denen sich meistens die Stelinger Raufbolde anschlossen. Die Heitlinger mussten sich meistens alles gefallen lassen und auch die Schäffer waren alleine und konnten nichts verhindern. Nachdem jedoch einmal ein Heitlinger über den Tisch gelegt worden war und die Raufbolde ihren Spazierstöcke hatten tanzen lassen, ging er nach Hause, holte seinen Säbel und “fegte” damit das Zelt von Raufbolden leer.

Die Vereinsgründung

Im Jahre 1891 hatte Friedrich Pass einem Schützenball in Lehe bei Varel beigewohnt. Die Leher hatten sich bereits zu dieser Zeit zu einem Verein zusammengeschlossen. Hier erlebte Friedrich Pass, dass ein Zusammenschluss der Schützen mit einer besamten “Ordnung” eine besondere Stärke bedeutete und so ein wildes Treiben, wie es bisher in Heitlingen auf den Schützenfesten gab, weitgehend verhindert werden konnte. Er berichtete hiervon auch den Heitlinger Schützen.

Als im Winter 1891/92 das Schützenfest für das Frühjahr 1892 vorbereitet werden sollte, entschlossen sich Friedrich Pass mit Conrad Mühlenbrink und Heinrich Evers (Haus 12) die Sache in die Hand zu nehmen und das Schützenfest unter die Obhut eines Vereins zu stellen. Jedoch fehlten alle Verbindungen zu bereits bestehenden Vereinigungen und auch zu dem schon 30 Jahre bestehenden Deutschen Schützenbund. Man musste aber eine Satzung aufstellen, deshalb wurde die leher Satzung als Muster für die Heitlinger Schützen ausgeliehen. Dem Aufruf der drei oben Genanten schlossen sich in einer Zusammenkunft zu Beginn des Jahres 1892 noch folgende Heitlinger Bürger an:

Friedrich Pass, Heinrich Evers (Haus 12), Wilhelm Busse,  Heinrich Finke,
Heinrich Evers (Haus 2), Fritz Evers (Haus 2), Heinrich Gosewisch, Heinrich Imelmann, August Jacobus, Fritz Michler, Luis Mühlenbrink,  Conrad Mühlenbrink ,
Heinrich Tegtmeyer,  Fridrich Tegtmeyer, Wilhelm Tegtmeyer,  Conrad Tegtmeyer, Heinrich Wittbold,  Heinrich Wedekind, Otto Plate.
Somit wurde diese Zusammenkunft zur Gründungsversammlung des “Schützenverein Heitlingen”.
Diese 19 Männer begannen sofort mit der Arbeit und wählten ihren Vorstand. Hauptmann wurde Friedrich Pass. Sein Vertreter, damals Leutnant genant, wurde Heinrich Evers (Haus 2), Schriftführer Conrad Mühlenbrink und Kassenführer Heinrich Evers (Haus 12).

Der Verein lebt

Das erste Schützenfest unter der Leitung eines geordneten Vereins wurde also im Jahre 1892 gefeiert. Ab jetzt ging es hierbei gestraffter zu. Trotzdem dauerte es noch zwei Jahre, bis auf den Festen endgültig Ruhe und Ordnung eingetreten war. Wer sich nicht fügen wollte, machte mit dem Bierschoppen Bekanntschaft und wurde dann nicht ganz sanft an die frische Luft befördert, wo er vor dem Festzelt nochmals auf ganz besondere Art “begrüßt” wurde. Der Verein hatte sich bewährt und seine Mitglieder hatten sich in Heitlingen und in der Umgebung Achtung verschafft. In den folgenden Jahren traten weitere Heitlinger Bürger in diesen Verein ein. Um auf eigenen Füßen stehen zu können und zur Beschaffung einer Ausstattung, wurde ein Beitragsgeld in Höhe von 0,60 Goldmark im Vierteljahr Beschlossen. Der Wunsch nach noch mehr Ordnung und Ansehen wuchs weiter. Die Schützenbrüder entschlossen sich, für die Umzüge eine Schützenuniform anzuschaffen. Für den Schützenrock mussten sie damals 18 Goldmark bezahlen. Hierzu gehörten auch weiße Handschuhe. Jedes neue Mitglied musste sich verpflichten, binnen eines halben Jahres einen Schützenrock anzuschaffen. Wer das nicht wollte oder nicht konnte, wurde nicht aufgenommen.
So gingen die Jahre ins Land. Der Verein hielt eine Mitgliederzahl von 25 - 30 Personen. Durch die immer mehr gefestigte Kameradschaft und das gehobene ansehe, verstärkte sich der Wunsch nacheiner Vereinsfahne für besondere Anlässe. Dieses war damals aber nicht so einfach, denn nach landesrechtlichen Bestimmungen musste ein Verein erst mal zehn Jahre bestehen, bevor das führen einer Fahne vom Landesamt genehmigt wurde. Im Jahre 1902 war es nun soweit, dass der Verein alle Bedingungen erfüllt hatte und bei der hannoverschen Fahnenfabrik - Fahnen Reinicke - eine Vereinsfahne bestellen durfte. Sie kostete den stolzen Preis von 300 Goldmark. Erster Fahnenträger wurde Heinrich Pass, dem zwei Begleiter zugeteilt wurden. Die drei Fahnenträger mussten weiße Handschuhe tragen.
Das Schützenfest 1902 wurde somit für die Heitlinger, aber auch für umliegende Dörfer zu einem Ereignis besonderer Art. Es war nicht nur Schützenfest im althergebrachten, traditionellen Stil, sondern ein Fahnenweihefest. In den umliegenden Ortschaften hatten sich in den letzten Jahren, inspiriert von den Heitlinger Schützen, ebenfalls Schützenvereinigungen gebildet, die die Vereinsendwicklungen des in dieser Gegend ältesten Vereins mit Aufmerksamkeit verfolgen. Schützenhauptmann war zu dieser Zeit Wilhelm Busse. Ihm oblag es nun, dieses besondere Fest vorzubereiten und auch die benachbarten Vereine einzuladen. Er wurde hierbei von allen Mitgliedern unterstützt. Während die Gründung des Vereins in aller Stille verlaufen war, sollte dieses Doppelfest groß gefeiert werden. Die geladenen Vereine waren gern gekommen und so verlief das Fest zu aller Zufriedenheit und Freude.
Das Vereinsleben gestaltete sich in diesen Jahren überwiegend auf der gesellschaftlichen Ebene. Der schießsportliche Wettbewerb beschränkte sich auf das Ausschießen der Königsscheibe und gelegentlich auf ein Wurstschießen. Geschossen wurde immer noch mit einer Scheibenbüchse. Im Verein waren aber jetzt auch Mitglieder, die die Kunst der Patronenherstellung gelernt hatten und so war man nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen. Gelegentlich wurde auch mit dem “Gewehr 98” geschossen. Alle Schießveranstaltungen wurden aber nur auf örtlicher Ebene ausgetragen. Der Vorstand wurde damals auf jeweils drei Jahre gewählt. In den Jahren zwischen 1905 und 1914 verkürzte man die Amtszeit durch Satzungsänderung auf zwei Jahre. So verlief das Vereinsleben ohne größere Ereignisse, bis 1914 der 1. Weltkrieg ausbrach. Zwangsläufig ruhte während dieser Jahre der Verein, denn auch etliche Vereinsmitglieder mussten für Volk und Vaterland in den Krieg ziehen. Dem Verein war sicher jederzeit der Ernst der Situation bewusst und trug ihm Rechnung. Niemand wusste damals, auf wie viele Jahre das Vereinsgeschehen zwangsläufig ruhen würde.
Über die bisher gemachten Ausführungen gibt es leider keine schriftlichen Unterlagen mehr. Die hier gemachten Aussagen beruhen auf mündliche Überlieferungen. Zum Zeitpunkt der ersten Ermittlungen zur Erstellung einer Cronick, die im Jahre 1972 angestellt wurden, lebte von den Gründern unseres Vereins aus dem Jahre 1892 keiner mehr.

Der Schützenverein zwischen zwei Weltkriegen

Der 1. Weltkrieg hatte in die Mitgliederreihen unseres Vereins Lückengeschlagen. Trotzdem durfte der nochruhende Verein nicht für immer schlafen gehen. Den gefallenen Kameraden war man es schuldig, den Verein wieder zu neuem Leben zu erwecken. Nach der Überlieferungen rief Schützenkamerad Heinrich Frieling 1920 die Heitlinger Schützen wieder zusammen und brachte das Vereinsleben wieder in Gang. Aus dem Leben des neuerwachten Vereins gibt uns ein seit 1924 geführten Kassenbuch allerhand Aufschluss. Die Mitgliederzahl betrug 1924 bereits 58 Mitglieder. Sie hielten sich sehr lange auf diesem Stand. Erst 1933 ging sie zwangsläufig etwas zurück. Dies war auf die Tätigkeit des Regimes unter Adolf Hitler zurückzuführen. Die Jugend wurde für andere Verbände verpflichtet und hatten so für den Schießsport in privaten Vereinen wenig Zeit. Bei Kriegsausbruch 1939 zählte der Verein aber immer noch 44 Mitglieder. Der Beitrag betrug 1925 im Vierteljahr 0,50 Reichsmark und wurde später auf Vereinsbeschluss auf 1,0 Reichsmark angehoben. Er blieb bis 1945 unverändert. Nach dem1. Weltkrieg lief das Schützenjahr vom 1. April bis zum 31. März. 1938 entschlossen sich die Mitglieder, das Schützenjahr dem Kalenderjahr anzupassen. Nach 1924 wurde auch ein Aufnahmegeld von 2,00 Reichsmark für jedes neue Mitglied eingeführt.

Das Vereinsleben lief nach 1924 zuerst wieder mehr auf gesellschaftlicher Ebene weite. Jedoch begann man allmählich auch den Schießsport mehr zu pflegen und zu erweitern. Es fehlte aber ein eigener Schießstand. Das Schiessen wurde im freien Gelände nördlich des Dorfes “Auf dem Hohen Kamp” abgehalten. 1928/29 verlegte man das Schießen auf den “Großen Fuchsberg”. im freien Gelände wurde die Scheibe einfach an einen Holzpfahl geschlagen und das Schießen begann. Gelegentlich nahm man aber auch Schießbahnen benachbarter Vereine in Anspruch. Hierfür mussten dann ein “Mietgeld” entrichtet werden. So wurde 1925 in Stelingen und 1931 Bis 1934 in Berenbostel geschossen. 1934 entschlossen sich die Mitglieder des Heitlinger Schützenvereins selbst einen Schießstand auf dem “Großen Fuchsberg” zu bauen. Dieser Schießstand wurde auch von den damaligen Parteiorganen mitbenutzt. Die Schiessen wurden mit einer Scheibenbüchse und gelegentlich mit dem “Gewehr 98” ausgetragen. Ab 1932 war der Verein selbst stolzer Besitzer eines Kleinkaliebergewehrs. Gepflegt wurde vornehmlich das Schießen auf 100 Meter mit dem Scheibengewehr. Später auf eigenem Stand wurde mit dem Kleinkaliebergewehr auf 50 Meter geschossen. Ab 1936 fand neben dem Königsschießen ein Herbstschießen und ab 1938 ein Vereinsmeisterschaftsschießen statt, nachdem ein weiteres Kleinkaliebergewehr zum Preise von 58 ,00 Reichsmark angeschafft worden war. Ab 1928 bedurfte es für das Schießen einer besonderen Genehmigung durch den zuständigen Landrat und man musste für 7,95 Reichsmark eine Hafpflichtversicherung abschließen.
Die Schützenfeste wurden traditionsgemäß bis 1939 zwischen Mai und August an zwei Tagen gefeiert. An der Form hatte sich gegenüber den Schützenfesten vor 1914 wenig geändert. Der Verein stattete das Fest aus. Er beschaffte Zelte und Musik. Zwei Mitglieder wurden verpflichtet, den Fußboden des Zeltes vor Beginn des Festes zu wachsen und den Zeltschmuck (Girlanden) anzubringen sowie nach Beendigung des Festes das Zelt auszufegen und die Girlanden abzunehmen. Sie erhielten dafür 0,50 Reichsmark, später dann 1,00 Reichsmark als Endschädigung. Die Landwierte stellten für den Transport des Zeltes ein Fahrzeug. Am zweiten Festtag zogen die jungen Leute des Vereins auf die einzelnen Höfe und sammelten Eier. wie sich die älteren Mitglieder noch erinnerten, passierte bei einem der ersten Schützenfeste nach 1920 eine kleine Panne. Man erhielt wohl ein Zelt, aber oh Graus, ihm fehlten die Seitenplanen und ein Teil des Lakens (Zeltdach). Die Heitlinger Schützen, an Kummer gewöhnt und als Niedersachsen hart gesotten, verzagten nicht und feierten trotzdem, auch wenn den Tanzpaaren vom Himmel her feuchte Erfrischung beschert wurde.
Der größte Teil der Vereinmitglieder kam aus der Landwirtschaft. So erklärt es sich auch, dass das auf den Dörfern so beliebte Erntefest oder auch Erntedankfest mit den Schützen gefeiert, ja später sogar vom Schützenverein ausgerichtet wurde. Es fand, je nach Beendigung der Ernte, im September oder Oktober statt. In den Jahren 1931, 1934, 1939 und in den Jahren danach fiel es aus.
Das Schützenfest 1924 wurde, nachdem der Verein wieder gefestigt war, als Stiftungsfest gefeiert. Hiermit wurde die Feier zum 25jährigen Bestehen des Vereins nachgeholt, denn dieses Jubiläumsfest (1917) fiel in die Ereignisse des 1. Weltkrieges. Auch sollte später für die Feier des 50jährigen Bestehens des Vereins (1942) keine Gelegenheit sein, weil auch dieses Ereignis wieder in die Kriegswirren des 2. Weltkriegs. Das Jahr 1942 sah aber neben dem Schützenfest und dem Erntefest noch ein drittes Ereignis auf der gesellschaftlichen Bühne in Heitlingen. Im März dieses Jahres veranstaltet der Schützenverein ein Kappenfest. Die Kameradschaft innerhalb des Vereins und die Zusammengehörigkeit mit den Heitlinger Bevölkerung war so gut, dass sich die Vereinskameraden ab 1927 entschlossen, ein regelmäßiges Wintervergnügen zu veranstalten. Dies wurde dann bis 1930 , danach 1932, 1933 und nochmals 1938 abgehalten. Leider ließ die wirtschaftlich und später die Politisch Lage es nicht zu, den 1927 gefassten Beschluss des schönen Brauches eines Winterfestes als ständige Einrichtung durchzuhalten.
Während dieser Vereinsperiode hatte der Schützenverein auch zu benachbarten Vereinen gute Beziehungen unterhalten und beteiligten sich auch an deren besonderen Veranstaltungen und zwar:
1924 - Fahnenweihe: Schützenverein Osterwald und Schützenverein Ögenbostel

1926 - Schützenfest: Abbensen und Engekbostel

1927 - Schützenfest: Osterwald und Resse

1928 -Schützenfest: Kaltenweide

1932 -Schützenfest: Godshorn

1938 -Schützenfest: Seelze

1939 -Schützenfest: Osterwald

1933 wurde eine Delegation zum Kreisschützentag nach Barsinghausen (April) und zum Sportfest Bückeburg (Juni) entsandt. Im Jahre 1926 hatte die Gemeinde Heitlingen ein Ehrenmahl für die Gefallene des 1. Weltkrieges errichtet, an dessen Einweihung der Schützenverein Heitlingen ebenfalls teilnahm. Seit 1928 marschierten die Schützen alljährlich am Heldengedenktag dorthin und legen einen Kranz nieder. Die Mitglieder des Vereins hatten sich auch nach 1924 wieder “Bedingungen” gegeben, die die Ordnung und Verpflichtung der Mitglieder gewährleisten sollten. So musste jedes Mitglied, das seinen Beitrag nicht pünktlich bezahlte, ein Strafgeld von 0,20 Reichsmark zusätzlich entrichten. Wer nicht pünktlich zum Rundmarsch antrat oder zum Erntefest zu spät kam, musste 2,00 Reichsmark Strafe zahlen; gleiches galt für unentschuldigtes Fehlen bei diesen Veranstaltungen. Es gab aber auch schon mal anderweitige Unterstützung für den Verein. Der Jagdpächter Schrader spendete 1924 zum nachgeholten Stiftungsfest 200 Reichsmark. Der damalige Festwirt spendete von 1924 bis 1931 zum Schützenfest regelmäßig einen Beitrag von 50 Reichsmark. Zeitweilig erhöhte er diese Summe bis auf 150 Reichsmark. Ab 1932 gab es zu Beginn des 2. Weltkrieges 40 Reichsmark. Zum ersten gemeinsamen Erntedankfest im Jahre 1926 stiftete der Festwirt Fritz Michler einen Zuschuss von 270 Reichsmark. Die Mitglieder des Schützenvereins mussten zu diesen Veranstaltungen zur Unkostendeckung Umlagen in Höhe von 1,50 bis 2,00 Reichsmark zahlen. Aber die öffentliche Hand wollte ab 1934 auch ihren Tribut von den Einnahmen der Veranstalter haben. So musste bei allen Tanzveranstaltungen bei der Gemeinde gegen Entgelt ein Tanzschein beantragt werden. Ab 1936 musste dann ein Beitrag an die “Stagma”, ab 1953 an die “GEMA” zur Unterstützung der in Not geratenen und alten Künstler entrichtet werden.
Am 1 September 1939 brach der 2. Weltkrieg aus. Es wurde wieder Vereinsmitglieder zum Kriegsdienst gerufen. Das Vereinsleben kam, wie 1914, erneut zum Erliegen. Nur noch gelegentlich wurden Versammlungen von den zurückgebliebenen Mitgliedern abgehalten, um den Zusammenhalt mit den eingezogenen Mitgliedern aufrecht zu erhalten. An sie wurden Spendenpakete mit Lebensmitteln und Tabakwahren verschickt. Noch ahnte keiner, welches schreckliche Ende dieser Krieg nehmen sollte. 1945 kamen auch unsere damaligen Feinde in Form von amerikanischen und englischen Truppen nach Heitlingen. Bei Kriegsende wurde das gesamte Vereinsvermögen eingezogen. Da war Fritz Michler sen. Der Mann, der Mut bewies. Er versteckte die Vereinsfahne, so dass sie von den fremden Soldaten nicht gefunden werden konnte. Diese Tat hätte ihm damals seine Freiheit, vielleicht sogar das Leben kosten können. Ihm gebührt daher auch an dieser Stelle ein besonderer Dank des Schützenvereins für sein mutiges und entschlossenes Handeln. Dem Verein wurde seine Fahne erhalten und es konnte zu einem späteren Zeitpunkt an die alte Tradition angeknüpft werden. Bis auf das bereits erwähnte Kassenbuch blieb dem Verein sonst nichts mehr. Den Heitlinger Schützen gefiel das gar nicht , dass ihr Vereinsleben so restlos verboten wurde. Der Vereinsgedanke durfte in dieser Zeit nicht offen ausgesprochen werden. Im Geheimen hielt er sich aber doch bei vielen ehemaligen Mitgliedern. Der Verein schlief, sammelte aber im Verborgenen neue Kraft, um eines Tages wieder aus seinem, ihm zwangsweise auferlegten Schlaf, zu neuem Leben zu erwachen.

Unser neues Schützenhaus

Die Niedersächsische Verwaltungs- und Gebietsreform 1974, bei der die Gemeinde Heitlingen ihre Selbständigkeit verlor und als Stadtteil der neuen Stadt Garbsen angegliedert wurde, hatte für den Schützenverein auch eine gute Seite. Die Vereine profitierten von dieser Maßnahme auf dem finanziellen Sektor. So konnte auch ein langgehegter Wunsch des Schützenvereins nach einer eigenen Luftgewehrsportanlage verwirklicht werden. Bisher fand das Luftgewehrschießen in der Gastwirtschaft von Fritz Michler statt. Das Schießen wurde auf der Tenne durchgeführt. 1966/67 baute Fritz Michler die Tenne zu einem schönen Saal um, und erlaubte dem Verein, sein wöchentliches Schießen auch auf dem Saal fortzuführen. Dies geschah dann auch bis 1979, als dann die Trainingsstunden in das eigene Vereinsgebäude verlegt werden konnte.
Die Planung und Besprechungen für das eigene Vereinshaus begannen 1976. Mit dem Bau des eigenen Hauses konnte dann am 29. Juni 1978 begonnen werden. Die Einweihung des schönen Vereinsheimes fand dann am 17. November 1979 mit einer kleinen Feier statt, bei der Vertreter der Stadt Garbsen, des Kreisschützenverbandes Wedemark, Vertreter der Örtlichen Vereine und benachbarten Schutzenvereine anwesend waren.

Terminlicher Ablauf der Bauphase

1976

10.01.  In der Generalversammlung wird der Bau einer Luftgewehr-  (LG) erörtert.

28.09. Besprechung mit der Stadt Garbsen. Die Vereinsvorschläge werden  verworfen. Stadtdirektor Höötmann bietet ein städtisches Gelände für  den Bau der LG-Anlage unter Beteiligung der Stadt an den Baukosten  mit etwa 2/3 der Kosten an.

1977

15.01. In der Jahres-Hauptversammlung wird das Verhandlungsergebnis  genehmigt. Die Kosten werden auf 133.000 DM zuzüglich   Eigenarbeiten geschätzt.

16.07. Der Vorendwurf wird nach mehreren Besprechungen mit 161.000 DM  Genehmigt.

09.07. Die Versammlung beschließt, dass alle Mitglieder von 18 bis 65 Jahren  Handdienste leisten müssen oder sich durch Geldzahlungen an dem  Bau zu beteiligen haben.

30.08. Der Ortsrat Heitlingen / Osterwald beschließen eine Bezuschussung  von
120.000 Deutschen Mark.

19.09.  Der Stadtrat Garbsen stimmt diesem Beschluss zu.

1978

02.03. Orts- und Stadtrat stimmen einer verbesserten Planung mit erhöhten  Baukosten von 210.000 DM zu und erhöhen die Beihilfe auf 135.000 DM.

14.07. Ortsbürgermeister Kielmann übergibt eine vorläufige Baugenehmigung  vom 07. Juli 78.

22./29.07. Der Vorstand richtet den Bauplatz her.

01.08. Die Baugrube wird ausgeschoben und das Gelände ausgewinkelt.

18.11. Das Richtfest wird in Anwesenheit der Vertreter der Stadt Garbsen  gefeiert.

1979

03.04. Die Rohbauabnahme findet statt.

16.08. Die Grundinstallation ist betriebsfertig hergerichtet.

02.11. Die Schlussabnahme wird durchgeführt. Es sind noch kleine  Ergänzungen erforderlich.

13.11. Abnahme durch das Gewerbeamt der Stadt Garbsen.

16.11. Schlussabnahme des Gebäudes ohne Beanstandungen.

17.11. Einweihungsfeier der neuen Schießsportanlage in Anwesenheit von  Vertretern der Stadt Garbsen, des Kreisschützenverbandes  Wedemark sowie der Örtlichen und befreundeten Organisationen und  Vereine.

05.12. Technische Schlussabnahme.

13.12. Schlussabnahme durch die Polizei und Sachverständigen beim  Regierungspräsidenten.

Das Gebäude hat eine Grundfläche von 281,5 m² und ein Volumen von 1.092,04 m³ umbauten Raumes. Die Schießsportanlage hatte nach dem Baupreisindex von 31.12.79 einen Gesamtwert von 350.000 DM.

Die Vereinsmitglieder hatten insgesamt 5058 freiwillige Arbeitsstunden an diesem Objekt geleistet. Von nun an fanden alle Schießen mit dem Luftgewehr auf dem neuen, vereinseigenen Schießstand statt. Hierfür standen 10 Schießbahnen zur Verfügung. des weiteren konnten gesellige Veranstaltungen ohne schwierige Terminabsprachen ausgerichtet werden.

Der Verein von 1950 bis zum 100jährigen Bestehen

Trotz einer langen Pause war der Schützenverein in Heitlingen nicht untergegangen. 1950 war es Fritz Michler sen., der die Initiative ergriff und die noch im Ort wohnenden ehemaligen Schützenbrüder daran erinnerte, wieder im alten Geiste zusammenzukommen. Er fand offene Ohren für seinen Appell und bat zu einem Treffen am 7 April 1950 in der Gastwirtschaft. Seinem Ruf folgten damals 36 Einwohner. Der Endschluss, den Schützenverein wieder aufleben zu lassen, war schnell gefasst. Man ging auch gleich an die Arbeit und wählte einen Vorstand. Karl-Heinz Seeger wurde zum ersten Vorsitzenden erkoren, Fritz Finke sen, wurde Stellvertreter, Richart Pfingsten wurde zum Schriftführer und Henry Liekefett zu Kassierer gewählt. Der Jahresbeitrag wurde auf 4,00 DM festgesetzt. Die Schützenbrüder beschlossen, nur Heitlinger Bürger in den Verein aufzunehmen. Dieser Beschluss wurde aber dann einige Jahre später dahin revidiert, dass der Vorstand auch auswärtige zulassen konnte. Der Vorstand wurde beauftragt, eine neue Satzung auszuarbeiten und für das Jahr 1950 ein Schützenfest vorzubereiten. So ging die Fahrt in eine neue Periode des Vereinslegens mit vollen Segeln voran. Erster Schützenkönig nach dem 2. Weltkrieg wurde das langjährige Mitglied Henry Michler. Nachdem der Verein 1950 gut angelaufen war, wurde im Jahr 1951 auch eine Jugendgruppe aufgebaut. Hiezu konnten sich Jugendliche unter 18 Jahren bewerben. Der Beitrag betrug für diese Gruppe 2,00 DM.
Zu Anfang war das Schießen noch mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Es fehlte ein ordentlicher Schießstand und eigenes Gerät. Es wurde teils auf dem Gelände des Großen Fuchsberges und teils bei befreundeten Vereinen, die noch einen Schießstand hatten, geschossen. Anfangs wurde mit Kleinkalibergewehren geschossen. Die Freude am Schießsport wuchs aber schnellend so beschloss man, auf dem Gelände des Großen Fuchsberg wieder eine Schießanlage aufzubauen. Nachdem im Jahre 1955 die Genehmigung hierzu erteilt er, wurde der Schießstand in Selbsthilfe gebaut. Die Vereinsmitglieder arbeiteten eifrig und opferten viel freie Zeit. Noch im gleichen Jahr konnte der Schießstand behördlich abgenommen werden. Nun konnten die Schützen in der landschaftlich schönen Umgebung die Kameradschaft besser pflegen und bei der Ausübung des Schießsports manch nette und fröhliche Stunde verbringen. Ein altes deutsches Sprichwort aber besagt: “Es kann der Beste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.” diese Wahrheit zeigte sich auch auf dem Großen Fuchsberg. Dem Jagdpächter Skiba gefiel es nicht, dass dort in seinem Jagdrevier auf dem Schießstand geschossen wurde, weil dadurch angeblich das Wild gestört wurde. In Jahre 1961 kam es dann zu ernsten Auseinandersetzungen zwischen dem Schützenverein und dem Jagdpächter. Der Schützenverein musste seinen mit viel Schweiß aufgebauten Schießstand aufgeben. Jetzt aber sprang spontan die Gemeinde Heitlingen in die Bresche und stellte dem Schützenverein am Stauriedeweg auf der Lehmkoppel ein geeignetes gemeindeeigenes Gelände unentgeltlich zu Verfügung. Gleichzeitig stiftete sie aus dem Gemeindeforst Holz für den Wiederaufbau eines Schießstandes. Dieses alles geschah ganz unbürokratisch. Erst im Jahre 1972 wurde dieser Akt durch einen nachgeholten schriftlichen Vertrag besiegelt.
Die Schützenbrüder holten die Holzbaracke vom Großen Fuchsberg auf das neue Schießgelände. Der Schützenverein war aber inzwischen größer geworden und wollte auch ein größeres Schießhaus haben. Der Landkreis Hannover erteilte mit Verfügung vom 13. Januar 1962 hierfür die Genehmigung. Jedes Mitglied beteiligte sich an dem Neubau mit einem Zuschuss von 5,00 DM. Durch Verhandlung des 1.Vorsitzenden Fritz Finke sen. Gelang es, die Genehmigung für ein Schützenhaus aus Stein zu erhalten. Wieder zeigte sich unter den Schützen ein guter Korpsgeist und unter Zurückstellung mancher privaten Angelegenheit wurde an dem neuen Gebäude gearbeitet. Ab 1965 konnte es dann schon genutzt werden. Fertig ist es aber erst 1971 geworden. Die Anlage bestand aus zwei 50 m KK-Bahnen. Für das Material hatten die Schützen, neben zusätzlichen Spenden, noch weit über 5.000,00DM aufgebracht. Durch freiwillige Hilfen gelang es auch, die Außenanlagen zu einem schmucken Plätzchen zu machen.
Die Technik schritt auf allen Gebieten sehr schnell voran. Auch der Schießsport blieb hiervon nicht verschont. So wollten auch die Sportschützen auf einem schönen Schießstand im Grünen moderne Anlagen mit elektrischem Betrieb haben. Also machten sich die Schützen an die Arbeit und verlegten vom Ortsrand bis zum KK-Stand ein ca. 600 m langes Kabel. Hierzu stellten einige Vereinsmitglieder auch schweres Gerät unentgeltlich zur Verfügung. Diese Arbeiten wurden 1975 im Sommer durchgeführt. Im Laufe des Jahres zeigte sich aber. Dass auf dem Gelände und am Schießstand Setzerscheinungen auftraten, die eine Grundrenovierung erforderlich machten. Dies sollte im Jahre 1979 erfolgen. Die Arbeiten mussten aber wegen des inzwischen genehmigten Baues eines Schützenhauses an der Straße “Vor den Höfen” bis 1981 zurückgestellt werden. Durch intensive Verhandlungen mit der Stadt Garbsen und dem Sachverständigen für Schießanlagen beim Regierungspräsidenten Hannover gelang es, eine finanzielle Beihilfe in Höhe von 4.750,00 DM von der Stadt Garbsen für die Baumaßnahmen am KK-Stand zu erhalten. Die Umbau- und Renovierungsarbeiten wurden von Mai 1981 bis Mai 1982 durchgeführt und zwar in Eigenleistung der Vereinsmitglieder. Hierbei wurde der Schießstand von bisher zwei Schießbahnen auf nunmehr drei Bahnen erweitert und Sicherheitsmaßnahmen verbessert. Die Abnahme durch Sachverständige verlief ohne Beanstandungen.

Vereins Struckturen

Zugehörigkeit zu den Sportverbänden

Mit beginn des Jahres 1952 trat der Schützenverein Heitlingen wieder in den Deutschen Schützenbund ein. Damit gehörte er nun auch dem Kreisschützenverband “Wedemark-Hannover-Nord” im Niedersächsischen Landesschützenverband an.
Der Schützenverein Heitlingen wurde erstmals Mitglied in Deutschen Schützenbund im Jahre 1935, was damals zur Folge hatte, dass er die Deutsche Schützenzeitung erhalten und den im Dritten Reich von allen Vereinen geforderten “Sportgroschen” zahlen musste. Durch den Beitritt zu den überörtlichen Organisationen öffneten sich auch die Türen zur Teilnahme an überörtlichen Schießwettkämpfen, sowohl auf der Kreisebene als auch auf der Landes- und Bundesebene. Es wurden Mannschaften in den verschiedenen Schützenklassen aufgestellt, die in Rundenwettkämpfen, auf Kreis- und Landesmeisterschaften usw. ihr Können bewiesen. Das die Heitlinger Schützen keine “Schlumpfschützen” sind, sondern sehr wohl ins Schwarze treffen können, beweist ein Blick in das Vereinslokal, in dem die dort befindlichen Trophäen von den stolzen Ergebnissen beim Schießsport Zeugnis ablegen. So konnten Heitlinger Schützen und Schützinnen in den Jahren 1986 bis 1988 schöne Plätze bei Landes- und Bundesschießen erzielen - hier sind besonders zu erwähnen: Christiane Bruns, Frank Evers, Michael Heine, Markus Langreder und Christian Voigt, die auf Kreis- bis Bundesebene Plätze zwischen 1 - 10 belegen konnten.

Die Damenabteilung

Im Jahre 1967 hatte der Schießwart, Schützenbruder Werner Bruns, die Idee auch die Heitlinger Frauen für den Schießsport zu gewinnen. Nach einer Vorstandssitzung wurde am 8. Juni 1967 die Heitlinger Damengruppe gegründet. Auch die Damen haben bis heute den Namen des Heitlinger Schützenvereins mit Stolz in Ehren gehalten. Die erste Schützenkönigin wurde in Heitlingen im Jahre 1968 proklamiert. Es war Else Bartling. Die Schützenkette hierzu hatte der Heitlinger Bürger Günter Thielmann gestiftet.

Die Beteiligung der Bürger

Die Zahl der Schützen war immer sehr ansehnlich, so standen dann auch die Heitlinger Schützenschwestern und Schützenbrüder jederzeit bereit, ihren Verein zu vertreten, wo immer es auch galt. Die Mitgliederzahl stieg in den 80er Jahren auf über 150 Mitglieder an. Dieser Stand hat sich dann bis auf kleine Schwankungen bis jetzt gehalten. Die Mitgliederzahl ist um so erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass Heitlingen ein Dorf mit nur ca. 550 Einwohnern ist. In den 70er Jahren war das Interesse der Jugendlichen am Schießsport stark angestiegen. Jährlich entspann sich unter den Jugendlichen ein hartes Ringen um die 1969 vom Schießwart Werner Bruns gestiftete Jugendkönigskette. In den 80er Jahren ist die Zahl der jugendlichen Schützen wieder zurückgegangen, weil es im Dorf an Endsprechendem Nachwuchs fehlte.

Änderung des Vereinsnamens

Der Schützenverein Heitlingen wurde weit über die Grenzen der Gemeinde Heitlingen hinaus bekannt. Der von 1953 bis 1968 amtierende erste Vorsitzende Fritz Finke sen., hatte gute Beziehungen zum Landesverband und zu seinem damaligen Präsidenten, Hermann Wüstehoff. So kam es, dass Hermann Wüstehoff eines Tages Fritz Finke den Vorschlag unterbreitete, dem Schützenverein den Zusatz “Germania” zu geben. Er war durch die Vereinsfahne dazu angeregt worden. Die Vereinsfahne zeigt auf einer Seite auf beigefarbenem Grund zwischen der Umschrift “üb Aug` und Hand - fürs Vaterland” eine Ottonische Germania. Die Germania er in der alten Römerzeit eine sitzende trauernde Frauengestalt. Im der Ottonischen Zeit wurde hieraus eine aufrechtstehende, gekrönte Frauengestalt, die seit 1871 als Neubildung des politisch geeinigten Deutschen Reichs galt. Sie stehe heute in Bronze gegossen und dem Bildhauer Johannes Schilling (1828-1910) in den Jahren 1877 bis 1883 erschaffen, oberhalb von Rüdesheim als Niederwald-Denkmal. Die Mitglieder stimmten der Umbenennung des Schützenvereins Heitlingen in “Schützenvereins Germania Heitlingen” in der Versammlung vom 26. Oktober 1958 zu. Im Jahre 1969 ging man dann noch einen Schritt weiter und stellte den Verein nach anfänglichen Zögern auf gesetzliche Grundlagen des Bürgerlichen Gesetzbuches und ließ den Verein am 20. Juni 1969 in das Vereinsregister beim Amtsgericht Hannover eingetragen. Die hierfür erforderliche wurde in der Versammlung am 12. April 1069 beschlossen. Der Verein führte seither die Bezeichnung “Schützenverein Germania Heitlingen v. 1892 e.V.”.
In der genanten Versammlung wurde auch ein Ehrenrat als ständige Einrichtung berufen.

Die Vereinsfahne

Die Vereinsfahne wurde im Jahre 1902 entworfen und angefertigt. Von wem der Entwurf stammte, lässt sich leider nicht mehr feststellen. Zu allen offiziellen Anlässen in und ausserhalb Heitlingen weht sie ihren Schützen voran. Durch das Verstecken bei Beendigung des zweiten Weltkrieges hatte sie doch etwas gelitten und musste 1952 auf der Seite mit der Germania restauriert werden. Der Schützenverein musste hierzu 190,00 DM aufbringen. Nach fast 70 Jahren musste dann auch die andere Seite instandgesetzt werden. Sie zeigt auf grünem Grunde einen Eichenkranz mit einer Schützenscheibe und zwei gekreuzten Gewehren, darüber einen Schützenhut und unter der Scheibe einen Lederbeutel. Rechts und links neben dem Eichenkranz stehen die Jahreszahlen “1892” und “1902”. Im oberen Viertel der Fahne stehen die Worte “Schützenverein” und im unteren Viertel das Wort “Heitlingen”. Der stolze Preis für die zweite Reparatur der Fahne betrug 783.00 DM. Beide Reparaturen hat die Herstellerfirma, die Hannoversche Fahnenfabrik, ausgeführt. Zum 80jährigen Jubiläum des Schützenvereins konnte die Vereinsfahne wieder makellos gezeigt werden. Vom 20. bis 22. Mai 1972 wurde dieses Fest gemeinsam mit der 70-Jährigen Fahnenweihe gefeiert. Auf der Generalversammlung 1987 beschlossen die Mitglieder zum 100jährigen bestehen des Vereins (1992) eine neue Vereinsfahne zu beschaffen und die Traditionsfahne von 1902 nur noch im Vereinshaus zu belassen. Der Auftrag für die neue Fahne wurde 1991 erteilt.

Die Finanzen

Um alle Verpflichtungen eins Vereins erfüllen zu können, müssen auch die Finanzen stimmen. Hierfür sorgen die Kassenwarte (ab 1969 Schatzmeister genant). Die Beiträge musste seit 1950 laufend angehoben werden von 4.00 bis 70,00 DM für Schützen und für die Damen seit 1968 von 12,00 auf 50,00 DM. Der Verein hat aber auch Verpflichtungen zu erfüllen, die ausserhalb seines Einflusses liegen, wie Versicherungen, Beiträge an Dachverbände usw., dazu kommen noch Ausgaben für das Schiessen, obwohl hierfür die Mitglieder neben ihren Beiträgen auch noch Einsätze bezahlten. Zeitweise findet sich aber auch mal ein Gönner, der bem Verein etwas unter die Arme greift.

Sonstige Aktivitäten

Neben dem Schiesssport kommt aber auch der gesellige Teil nicht zu kurz. Die Vereinsmitglieder treffen sich regelmässig um Freud und Leid gemeinsam zu tragen. Nehmen wir das Leid zuerst: beim Ableben eines Vereinsangehörigen wird ihm die letzte Ehre durch das Niederlegen eines Kranzes an seinem Grab bei gesenkter Fahne und den Klängen des Liedes vom “Guten Kameraden” zuteil.
Die Freudigen Ereignisse überwiegen jedoch. So nehmen Delegationen aus der Mitte der Vereinsmitglieder an familiären Festen, wie Hochzeiten, Ehrentagen usw., teil. Daneben werden die jährlichen Feste, wie früher schon erwähnt, weiter gefeiert. Die Schützenfeste wurden ab 1950 wieder in die Regie des Vorstandes aufgenommen. Ab 197 wurde dann für die Vorbereitung aller Feste ein Festausschuss eingesetzt. 1952 feierten die Heitlinger Schützen ihr 60-jähriges Bestehen. Das 50-jährige Jubiläumsfest musste wegen der Kriegswirren 1942 ausfallen. Der Verein schaffte 1952 für den Schützenkönig eine Königskette an. An den Kosten hierfür beteiligte sich die Vereinskasse mit 100,00 DM, der Rest wurde durch eine Umlage unter den Vereinsmitgliedern aufgebracht. Der erste Träger dieser Kette war der damalige Schützenkönig Kurt Taxweiler. Dieses Jubiläumsfest wurde nicht nur vereinsintern gefeiert sondern es gab auch Abordnungen benachbarter Vereine. Die Heitlinger “Freiwillige Feuerwehr” war Gast der Schützen und überreichte ein Tischbanner als Erinnerung.
Der gute Kontakt zwischen den Schützen und der Feuerwehr führte dazu, dass beide Vereine beschlossen, das jährliche Wintervergnügen im Januar / Februar gemeinsam zu begehen und auch den Marsch am Volkstrauertag zum Ehrenmal, zum Gedenken der Gefallenen beider Weltkriege, gemeinsam hinter der Fahne des Schützenvereins durchzuführen.
Später schlossen sich das “Deutsche Rote Kreutz Heitlingen” beim Wintervergnügen ebenfalls an. Das Erntefest wurde auch wieder vom Schützenverein ausgerichtet. In den 50er Jahren schmückten die Jungbauern und Jungbäuerinnen noch einen Erntewagen und beteiligten sich in bunten Trachten an diesem Fest. Das Erntedankfest stand damals noch unter den überlieferten Regeln der Eltern und Großeltern. Erst gegen Ende der 50er Jahre, manchem der Motor das Pferd immer mehr verdrängt hatte, und die Hilfskräfte in der Landwirtschaft knapper wurden, verblasste auch das Interesse an einem groß angelegten zweitägigen Erntedankfest. Das Fest wurde nur noch an einem Sonnabend nach Beendigung der Ernte gefeiert.
Am Spätnachmittag trafen sich die Kinder mit ihren Eltern im Festraum unter der Schirmherrschaft der Schützen. Später wurde dann diese Veranstaltung durch einen Umzug durch das Dorf eingeleitet.
Bevor der Kindertanz begann, brachte der Lehrer in Heitlingen, Ernst Finke, bis zu seiner Versetzung 1973, mit seinen Schülern und Schülerrinnen Gedichte und Erzählungen über die Ernte und die Landwirtschaft dar. An diesen Aufführungen beteiligte sich dann ab 1971 auch der erst neu ins Leben gerufene Kinderspielkreis unter der damaligen Leitung von Margarete Rosenthal und Traute Pfingsten. Die Erwachsenen feierten dann nach dem gemeinsamen Abendessen bis in die frühen Morgenstunden.
So verliefen die Jahre fast immer im gleichen Rhythmus. Doch 1967 konnte der Schützenverein auf ein Dreivierteljahrhundert Schützenwesen in Heitlingen zurückblicken. Er konnte stolz darauf sein, denn er ist im Kreisverband “Wedemark” der älteste Schützenverein. Die Heitlinger, die keine Freunde von Trübsal sind, wollten diesen Tag auch ganz gros Feiern. Der Vorstand unter der Führung seines damaligen Hauptmanns Fritz Finke zerbrach sich nun die Köpfe, wie man einen würdigen Rahmen für dieses Jubiläum zimmern konnte. Es wurden Einladungen an insgesamt 42 Vereine, die Vorstände der benachbarten Kreisverbände, den Landrat und den Gemeinderat von Heitlingen ausgesprochen. Das Dorf wurde an diesem Tage angemessen geschmückt und es wurden auch ein besonderes Schießen für die Gäste angeboten. Als nun der denkwürdige Tag da war, geschah etwas, wovon die Heitlinger Schützen nicht geträumt hatten. Bei strahlendem Sonnenschein bewegte sich durch Heitlingens Straßen ein farbenprächtiger Umzug, an dem 31 Vereine, 1 Musikzug, 6 Spielmannszüge und eine Kapelle (Heß), mit mehr als 700 Teilnehmern beteiligt waren. Dazu kamen noch etwa 800 bis 1000 Zuschauer, die von Nah und Fern gekommen waren, um mit den Heitlinger Schützen ihren Ehrentag zu begehen. Auch die eingeladenen aber nicht erschienenen Vereine hatten ihre Grußadresse geschickt. Heitlingen platzte aus allen Nähten, wenn man berücksichtigt, dass es selbst zu dieser Zeit nicht einmal 500 Einwohner zählte. Der Gemeinderat schrieb dem Schützenverein folgendes Geleitwort:

  • “Unserem Schützenverein “Germania Heitlingen” wünschen wir zu seinem 75-jährigen Jubiläum weiterhin viel Glück, Erfolg und Gedeihen. Möchte der Verein auch in den kommenden Jahren zum Gemeinschaftsleben und zur Lebensfreude in unserer Gemeinde beitragen.”
  • Der 1. Vorsitzende sagte in seinem Grußwort, das, was für die Heitlinger Schützen stets für die Zukunft gelten sollte:“Solange die Eichen wachsen um Hof und Haus, so lange stirbt bei uns Schützen der Schützengeist nicht aus.”
  • Danach gab er den Appell, dass die Achtung untereinander und der Gemeinschaftsgeist stets oberstes Gebot aller Schützen sein muss. Auf dem Festplatz überbrachte der Ehrenpräsident des Landesschützenverbandes, Wilhelm Uedel, und der Vorsitzende des Landesschützenverbandes Wedemark, Otto Brandt, Grußadressen und ehrte langjährigen und verdienten Mitglieder des Schützenvereins “Germania Heitlingen“. das Jubiläumsfest wurde zu einem vollen Erfolg.

Nun ruhten die Vereinsmitglieder aber nicht auf den bisher verdienten Lorbeeren aus. Es wurde weiter gearbeitet und es wurde in jedem Jahr neue Erfolge erzielt. Das nun anstehende Fest zum 80. Geburtstag des Vereins, das gleichzeitig das Fest zur 70jährigen Fahnenweihe sein sollte, wurde dann würdig aber ruhig und fast intern vom 20. bis 22 Mai 1972 gefeiert.
Die nächsten Jahre brachten dann für den Schützenverein verschiedene neue und hervorragende Aspekte. 1974 wurde Niedersachsen die Verwaltungs- und Gebietsreform durchgeführt. Hierbei wurden die Landkreise Hannover, Neustadt und Burgdorf zu einem Landkreis Hannover zusammengeschlossen. Die früher selbstständige Gemeinde Heitlingen wurde der neugebildeten Stadt Garbsen eingegliedert. Schützenmäßig gehörte Garbsen aber dem Kreisschützenverband Neustadt an, während Heitlingen zum Kreisschützenverband Wedemark im Altkreis Burgdorf gehörte. Für den Schützenverein “Germania Heitlingen” stellte sich nun die Frage zu welchen Kreisschützenverband soll der Verein künftig gehören? Die Vereinsmitglieder entscheiden, dass aus Traditionsgründen der Verein weiterhin zum Kreisschützenverband Wedemark gehören sollte.
Die vom Deutschen Sportbund an die einzelnen Vereine zur Verteilung kommenden Gelder (Zuschüsse), werden über die Städte und Gemeinden verteilt. Hierzu müssen die Schützenvereinen die Kreisschützenverbände gehört werden, die dann ihre Zustimmung für die Geldverteilung geben. Für den Schützenverein “Germania Heitlingen” heisst es nun, dass der Kreisschützenverband Neustadt für die Zuschüsse seine Zustimmung geben musste. Wegen der guten Kontakte des Schützenvereines zum Kreisschützenverband Neustadt gab es keine aussergewöhnliche Schwierigkeiten. So war es auch möglich, dass der Schützenverein seinen langgehegten Wunsch nach einem eigenen Vereinsheim verwirklichen konnte. Die Stadt Garbsen unterstützte das Vorhaben schnellend und ohne grosse Probleme. Der Bau des Hauses ist bereits beschrieben worden. Die Einweihung fand im November 1979 statt.
Von nun an fanden alle Schiessen mit dem Luftgewehr auf der neuen Sportanlage statt. Ein Schweinepreisschießen, das nun alljährlich im November veranstaltet wird, findet seither bei den befreundeten Vereinen der Wedemark genauso Anklang, wie bei den Vereinen aus dem Kreisschützenverband Neustadt.
Im Dezember 1980 erhielt der Schützenverein “Germania Heitlingen” auch die Anerkennung der Gemeinnützigkeit nach den dafür vorgesehenen gesetzlichen Bestimmungen.
Für 1992 steht wieder ein Jubiläum des Vereins an. Der “Schützenverein “Germania Heitlingen” kann auf seine 100jähriges bestehen und auf viele schiesssportliche Erfolge zurückblicken und darauf stolz sein. Die Traditionsfahne wird dann zum letzten Mal in der Öffentlichkeit gezeigt. Der Verein hat für dieses Jubiläum eine neue Vereinsfahne in Auftrag gegeben, weil die alte, wenn auch teilweise renovierte Traditionsfahne von 1902, nach 90jähriger Begleitung der Mitglieder doch müde geworden ist. Sie soll dann im Vereinsheim ihren letzten Ruheplatz finden und dort weiter in Ehren gehalten werden.

Chronologische Kurzübersicht

1892 Gründung des Schützenvereins Heitlingen.

1902 Anschaffung einer Vereinsfahne für 300 Goldmark.

1914-1920 Ruhe des Vereins (1. Weltkrieg).

1920 Wiederaufnahme des Vereinslebens.

1926 Erster Marsch des Schützenvereins zum Gefallenen- Ehrenmal.

1928 Niederlegung eines vereinseigenen Kranzes am Gefallenen-  Ehrenmal.

 Verlegung des Schießens vom “Auf den Hohen Kamp” zum “Großen  Fuchsberg”.

1925-1934 Gelegentliches Schießen auf den Schießständen benachbarter  Vereine gegen ein “Mietgeld.

1934 Bau eines eigenen Schießstandes auf dem “Großen Fuchsberg”.

1935 Erwerb der Mitgliedschaft im Deutschen Schützenbund.

1936 Einführung eines jährlichen Herbstschießens.

1939-1950 Ruhen des Vereinsleben ( 2.Weltkrieg).

1950 wiederaufbau der Vereinstätigkeit.

1951 Gründung einer Jugendgruppe.

1952 Beitritt zum Deutschen Schützenbund.

 60jähriges Jubiläumsfest mit 50jähriger Fahnenweihe.

 Renovierung der Vereinsfahne auf der beigen Seite für 150,00 DM.

 Anschaffung der Schützenkette.

1953 Jährliches Wintervergnügen gemeinsam mit der Feuerwehr.

1954 Mitglieder erden ab 65. Lebensjahren Ehrenmitglieder.

 Es wird beschlossen, das bei Beerdigungen Musik spielen soll.

1955 Bau eines Schießstandes auf dem “Großen Fuchsberg”.

1958 Umbenennung des Vereins in Schützenverein Germania Heitlingen von  1892”.

1960 Zum Heldengedenktag soll ein eigener Kranz niedergelegt werden.

1962 Verlegung des Schießstandes vom “Großen Fuchsberg” zum  Stauriedeweg.

1965 Uniformzwang ab 6 Monate nach Aufnahme in den Verein.

1967 Einführung von Ärmelabzeichen.

 Gründung der Damenabteilung.

 75jähriges Jubiläumsfest.

1968 Fertigstellung und Abrechnung des KK-Standes (4046,00 DM und  8000 Arbeitsstunden).

 Das Vereinsvermögen wird mit 18.680,00 DM veranschlagt.

1969 Eine neue Satzung wird beschlossen .

 Der Verein wird beim Amtsgericht in das Vereinsregister eingetragen.

1970 Der Ehrenrat wird ernannt.

 Der Festausschuss wird gebildet.

 Aufnahme von Erwachsenen nur durch geheime Wahl.

1971-1972 Renovierung der Vereinsfahne auf der Grünen Seite (783.00 DM).

1972 Der Verein gibt sich eine Wahlordnung.

 Abschluss eines Vertrags mit der Gemeinde Heitlingen über die  Nutzung des gemeindeeigenen KK-Geländes.

 Ergänzungsarbeiten am KK-Stand.

1975 Verlegung eines Stromkabels von 670 m Länge zum KK-Stand.

1978-1979 Bau des vereinseigenen Schützenhauses mit zehn Bahnen für

 LG- Schießwettbewerbe.

 Gesamtkosten:  246.231,32 DM

 Zuschuss der Stadt Garbsen: 133.000,00 DM

 Index- gesamtwert.  350.000,00 DM

1979 Umbau und Reparatur des KK- Standes und Einbau von zwei  elektrischen Scheibenanlagen.

1980 Mitgliedschaft im Deutschen Sportbund.

1981-1982 Renovierung des KK-Standes und Einbau einer dritten Scheibenbahn  für 13.306,58 DM und neues Inventar für 909.65 DM.

1982 Renovierung der Vereinsfahne auf der beige Seite für 1.375,89 DM.

1983 Private Feiern dürfen gegen Entgelt im Schützenhaus stattfinden.

1987 Die Heizung im Schützenhaus wird im Schützenhaus auf Gas  umgestellt.

Vorstandsmitglieder

1892-1914 Nur noch ungenaue Angaben.

  1. Vorsitzende:

  Friedrich Paß, Wilhelm Busse, Heinrich Imelmann

  2. Vorsitzende:

  Heinrich Evers (2)

  Kassenwart:

  Heinrich Evers (12)

  Schriftführer:

  Conrad Mühlenbrink

1920-1945 Die Reihenfolge kann abweichen.

  1. Vorsitzende:

  Heinrich Paß, v. Franzius, Frieling

  Wilhelm Dreyer, Wilhelm Tegtmeyer,

  Fritz Finke, Heinrich Wittbold

  Kassenwarte:

  Heinrich Imelmann, Heinrich Tegtmeyer,

  Hermann Eike (2x) Heinrich Evers,

  Fritz Mühlenbrink

1950-1991  1. Vorsitzende:

  07.04.50 - 19.09.53 Karl-Heinz Seegers

  19.09.53 - 13.01.68 Fritz Finke

  13.01.68 - 25.06.71 Hermann Mesenbrink

  25.06.71 -  Fritz Evers

   Klaus Mesenbrink

  2. Vorsitzende:

  07.04.50 - 19.09.53 Fritz Finke sen.

  19.09.53 - 12.01.57 Herbert Haß

  12.01.57 - 28.12.57 Helmut Jäger

  28.12.57 - 17.01.59 Otto Tegtmeyer

  17.01.59 - 21.01.61 Heinrich Pook

  21.01.61 - 09.01.65 Hermann Mesenbrink

  09.01.65 - 14.01.67 Walter Langreder sen.

  14.01.67 - 13.01.68 Henry Finke

  13.01.68 - 25.06.71 Fritz Evers

  15.01.72 - 16.01.88 Heinrich Imelmann (Heite)

  16.01.88 Erhad Zeller

   Kurt Rufenach

   Hans-Henning Finke

  Kassenwart / Schatzmeister:

  07.01.50 - 10.01.53 Henry Liekefett

  10.01.53 - 19.09.53 Herbert Haß

  19.09.53 - 12.01.57 Karl Hurkuck

  12.01.57 - 28.12.57 Heinrich Imelmann

  28.12.57 - 11.01.64 Dieter Büttner

  11.01.64 - 11.01.69 Fritz Finke sen.

  11.01.69 - 16.01.82 Horst Eberding

  16.01.82 -  Anita Zeller

   Claus Bartels

  Schriftführer:

  07.04.50 - 19.09.53 Richart Pfingsten

  19.09.53 - 09.01.55 Helmut Jäger

  09.01.55 - 82.12.57 Max Hilbert

  28.12.57 - 05.01.66 Kurt Taxweiler

  05.01.66 - 13.01.68 Werner Engel

  13.01.68 - 09.01.76 Friedrich Tegtmeyer

  09.01.76 - 16.01.88 Kurt Taxweiler

  16.01.88 - 20.01.90 Erika Lachmann

  20.01.90 Monika Büttner

   Erika Syring

  Schießwarte:

  29.04.50 - 19.09.53 Karl Dreier

  19.09.53 - 09.01.55 Kurt Seehawer

  09.01.55 - 28.12.57 Imelmann

  28.12.57 - 17.01.59 Fritz Finke

  17.01.59 - 09.01.65 Heinrich Imelmann (Heite)

  09.01.65 - 15.01.72 Werner Bruns

  15.01.72 - 09.01.76 Herman Hasselbring

  09.01.76 - 31.12.78 Werner Bruns

  31.12.78 - 16.07.82 Herman Hasselbring

  16.01.82 - 08.01.83 Manfred Reß

  09.01.83 - 18.01.86 Werner Bruns

  18.01.86 - 16.01.88 Herman Hasselbring

  16.01.88 - 20.01.90 Hans Klingberg

  20.01.90 -  Sabine Seehawer

Ehrenvorsitzender: Fritz Finke sen. von.13.01.1968 bis Februar 1990

1. Damensprecherin: Edith Mesenbrink seit 10.06.1967 bis

Ehrenrat

10.01.70 - 15.01.72

  • Ernst Finke
  • Hermann Hasselbring
  • Helmut Jäger

15.01.72 - 14.01.78

  • Fritz Finke jun.
  • Fritz Mühlenbrink
  • Helmut Jäger

14.01.78 - 16.01.82

  • Fritz Finke jun.
  • Fritz Mühlenbrink
  • Helmut Jäger
  • Heinrich Deike jun.
  • Erika Lachmann

16.01.82 - 18.01.86

  • Fritz Finke jun.
  • Erika Lachmann
  • Heinrich Deike jun.
  • Otto Imelmann

18.01.86 - 16.01.88

  • Fritz Finke jun.
  • Heinrich Deike
  • Heinz Schmidt
  • Otto Imelmann
  • Erika Lawrenz

16.01.88 -20.01.90

  • Fritz Finke jun.
  • Heinrich Deike
  • Heinz Schmidt
  • Erika Lawrenz
  • Helga Tubbe

20.01 90 -

  • Fritz Finke
  • Heinz Schmidt
  • Helga Tubbe
Download: Namensregister 1892 - 1991
Download: Ruhmeshalle der Majestäten

Wir können für die Inhalte der gelinkten Seiten keine Haftung übernehmen.
Daher distanzieren wir uns ausdrücklich von allen Inhalten der gelinkten Seiten auf dieser Homepage gemäß Urteil des Landgerichtes (LG) Hamburg vom 12. Mai 1998 - 312 O 85/98.
(Bei Interesse nachlesbar unter: www.online-recht.de )
Diese Aussage gilt für alle Seiten von www.heitlingen.de .

Impressum: Anmerkungen zur Homepage bitte an: webmaster@heitlingen.de

Chronik

letzte Aktualisierung
22.01.2012

Gästebuch